Projekthintergrund

Projektidee

Ein ökologischer Kindergeburtstag in der Natur entlastet die Eltern und bleibt den Kindern dauerhaft im Gedächtnis. Der Geburtstag findet im Lebensumfeld der Kinder statt, so dass sie in ihrer Alltagssituation erreicht werden. Zugleich bekommen Eltern Anregungen, wie Naturthemen in den Familienalltag spielerisch und ungezwungen eingebaut werden können. Die Anwesenheit zumindest eines Elternteils ist aus diesem Grund Voraussetzung für die Durchführung eines „Naturgeburtstages“. Für die Kinder wird der besondere Tag des eigenen Geburtstages mit einem positiven Naturerlebnis verbunden, das Naturerfahrung und -information mit Spiel, Spaß und Fest verknüpft. Dadurch wird bei den Kindern nachhaltig Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutz erzeugt.

Wofür ist ein „Naturgeburtstag“ gut?

Kinder…

… die in städtischen Räumen aufwachsen, haben oft den Bezug zur natürlichen Umwelt verloren. Durch Anregungen, die die Wahrnehmung in Richtung Natur schärfen, ist es möglich, Kindern Wege aufzuzeigen, sich stärker mit Natur zu beschäftigen, sie sozusagen neu zu entdecken. Das Angebot „Naturgeburtstag“ ist eine sehr gute Möglichkeit, mit spielerischen Naturerfahrungen, bei denen der Spaß im Vordergrund steht, diese Entwicklung anzustoßen.

 

Eltern…

… begrüßen es meist, wenn ihre Kinder sich mehr mit dem Thema Natur beschäftigen. Oft fehlen aber die Möglichkeiten und die Ideen dies umzusetzen. Der „Naturgeburtstag“ gibt den Eltern Anregungen und konkrete Tipps, wie sie Naturthemen stärker in die Erziehung ihrer Kinder integrieren können.

 

Ehrenamtliche …

… haben manchmal Bedenken, dass der (zeitliche) Aufwand zu groß oder die Ansprüche an ihr Fachwissen zu hoch sind. Hier bietet der „Naturgeburtstag“ ein optimales Betätigungsfeld für Ehrenamtliche, da er einen zeitlich selbstbestimmten Einsatz ermöglicht, mit Fortbildungen und Materialien unterstützt und den Einsatz finanziell etwas ausgleicht.

Naturentfremdung bei Kindern

Statt Frösche zu fangen, Baumhäuser zu bauen oder mit beiden Händen im Matsch zu wühlen, sitzen Kinder heute häufig vor Bildschirmgeräten. Ganz vorn liegt dabei immer noch das Fernsehen, dessen Relevanz sich in den vergangenen 12 Jahren kaum gewandelt hat. Hinzu gekommen und in der Bedeutung steigend sind Bildschirmgeräte wie Computer/Laptop, Spielkonsolen, Smartphones und Tablets. Hier lassen sich in den letzten Jahren steigende Zahlen bei der Nutzung verzeichnen. Die Zeit, die Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren für diese Art der Freizeitaktivität verwenden, können sie nicht für andere Tätigkeiten nutzen – insbesondere drei Aktivitäten haben seit 2002 stark abgenommen: Draußen spielen, Freunde treffen und Sport treiben (vgl. KIM-Studie 2002 und 2014).

Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2002): KIM-Studie 2002. Kinder und Medien, Computer und Internet. http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/KIM2002.pdf (abgerufen am 07.04.2015)
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2002): KIM-Studie 2002. Kinder und Medien, Computer und Internet. http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/KIM2002.pdf (abgerufen am 07.04.2015)
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2015): KIM-Studie 2014. Kinder und Medien, Computer und Internet. http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/KIM2002.pdf (abgerufen am 07.04.2015
Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2015): KIM-Studie 2014. Kinder und Medien, Computer und Internet. http://www.mpfs.de/fileadmin/Studien/KIM2002.pdf (abgerufen am 07.04.2015

In den USA sprechen Experten von der ‚nature-deficit disorder’, die schon in früher Kindheit eine regelrechte neurologische Störung durch das Fehlen vom To­ben, Experimentieren und Grenzerfahrungen in der Natur hervorruft. Die Symptome sind die Geißeln unserer modernen Gesellschaft wie Aufmerksamkeitsstörungen, Hy­peraktivität, Übergewicht, Gewaltbereitschaft und diverse Formen von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen (Siehe: Louv, Richard: Last child in the woods: Saving our children from Nature-deficit disorder. Algonquin Books of Chapel Hill, 2008.).

Auch seelische Folgen machen die Experten beim Fehlen original erlebter, unmittelbarer Umwelt- und Naturerfahrungen aus. Der Biologe und Philosoph Andreas Weber glaubt: „Kinder brauchen eine Welt, die aus sich heraus entstanden ist und nicht von Erwachsenen künstlich gefertigt wurde, sonst verkümmern nicht nur Fantasie, Kreativität, Lebensfreude, sondern auch Empathie und kindliche Bindungsfähigkeit", (https://www.greenpeace-magazin.de/ab-nach-draussen). Hirnforscher und Kognitionspsychologen bestätigen diese Annahmen.

Neben diesen individuellen Folgen der Naturentfremdung entstehen auch negative Auswirkungen auf die Gesellschaft. So kennen Grundschüler heute im Regelfall selbst die häufigsten Baum- oder Vogelarten nicht mehr (vgl. „Vogel-PISA-Studie“ des LBV, 2008 und „Studie über das Waldwissen von bayerischen Schülern der 3. Jahrgangsstufe“ der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Landesverband Bayern e.V., 2009). Diese Ergebnisse sind be­sorgniserregend, da über den Wissensmangel im biologischen Bereich auch die Fä­higkeit absinkt, Zusammenhänge zu erkennen und Verhaltensweisen zu entwickeln, die zum Schutz der Natur beitragen. Durch die Unabhängigkeit von natürlichen Kreisläufen auf das eigene Leben - z.B. durch die ständige Verfügbarkeit von jedem Nah­rungsmittel im Supermarkt, unabhängig von Ort oder Saison - ist die Entfremdung von der Natur fast perfekt. Die Abhängigkeit von der Natur und die Auswirkungen der Nutzung dieser bleiben Kindern und Jugendlichen heute beinahe komplett verbor­gen. Nicht vorbei geht an ihnen aber oft (durch die Schule, durch die Medien), dass Schutzmaßnahmen für die Natur gefordert werden. Leider führt dies dazu, dass Kin­der und Jugendliche die Natur nur noch als etwas Schutzbedürftiges, Liebes, Emp­findliches sehen, das nicht betreten oder angefasst werden darf und in dem sie nichts verloren haben. Experten nennen diesen Effekt 'Bambi-Syndrom'.

 

 

Der „Naturgeburtstag“ wurde im Jahr 2000 von der NAJU Baden-Württemberg entwickelt und inzwischen auf andere Bundesländer übertragen.